Der Ludwigshafener Joseph Vögele erweitert sein Portfolio an Straßenfertigern um drei Automatisierungssysteme. Grade Assist, AutoTrac und Smart Pave sollen Bediener entlasten, Einbaugenauigkeit steigern und Materialverbrauch senken. Die drei Systeme sind ab sofort verfügbar und markieren den nächsten Schritt zur teilautonomen Asphaltierung. Vögele gehört zur Wirtgen Group, die seit Jahren in digitale Lösungen für den Straßenbau investiert.
Grade Assist: Automatische Nivellierung spart Bedieneingriffe
Grade Assist übernimmt die kontinuierliche Nachregelung der Abziehbohle und hält die Sollhöhe automatisch. Der Bediener gibt den Referenzwert ein, das System regelt ab diesem Moment selbstständig nach. Das reduziert manuelle Eingriffe und garantiert eine gleichmäßige Einbauhöhe über die gesamte Strecke. Gerade bei langen Autobahnabschnitten mit konstanter Schichtdicke entlastet das System spürbar.
Vögele verspricht präzisere Oberflächenqualität und weniger Nacharbeit. Wer heute einen hochgenauen Einbau fordert, braucht bislang erfahrene Maschinisten. Grade Assist senkt diese Abhängigkeit und macht auch weniger geübte Fahrer produktiver. Das System lässt sich in bestehende GPS-Maschinensteuerungen integrieren und arbeitet sowohl mit Laser- als auch mit Ultraschall-Referenzsystemen.
AutoTrac: GPS-gestützte Spurführung für parallele Bahnen
AutoTrac steuert den Fertiger automatisch entlang einer vorgegebenen GPS-Spur. Der Bediener plant die Fahrbahnen vorab digital, das System übernimmt dann die Lenkung. Der Fahrer kontrolliert nur noch Geschwindigkeit und Materialzufuhr. Besonders bei mehrspurigen Autobahnen oder Flughafenrollbahnen reduziert AutoTrac Überlappungen und Lücken zwischen den einzelnen Bahnen.
Die Genauigkeit liegt laut Vögele im Zentimeterbereich. Das System nutzt GPS-Korrektursignale und arbeitet mit RTK-Genauigkeit. Wer heute zehn Bahnen nebeneinander fährt, spart mit AutoTrac Asphalt, weil Überlappungen wegfallen. Gleichzeitig steigt die Effizienz, weil der Fahrer sich auf Walzenbild und Materialfluss konzentrieren kann statt auf die exakte Spurhaltung.
Praxisnutzen bei großflächigen Projekten
Für Baustellen mit hohen Einbauvolumina zahlt sich AutoTrac schnell aus. Wer täglich 2.000 Tonnen Asphalt verbaut, reduziert Materialverschnitt um bis zu 3 Prozent, so die Herstellerangabe. Bei einem Asphaltpreis von 80 Euro pro Tonne ergibt das eine Ersparnis von rund 4.800 Euro pro Tag. Das System amortisiert sich bei Großbaustellen innerhalb weniger Wochen.
AutoTrac lässt sich mit Vermessungsdaten aus BIM-Modellen koppeln. Die digitale Baustellenplanung fließt direkt in die Maschinensteuerung. Das beschleunigt die Einrichtung und reduziert Übertragungsfehler. Gleichzeitig dokumentiert das System die tatsächlich gefahrenen Bahnen und liefert Nachweise für die Abrechnung.
Smart Pave: Materialverbrauch und Verdichtung in Echtzeit
Smart Pave erfasst kontinuierlich Materialtemperatur, Einbaudicke und Verdichtungsgrad. Die Daten werden live an das Display im Fahrerstand übermittelt. Der Bediener sieht sofort, ob die Schichtdicke passt oder ob die Temperatur zu stark abfällt. Kritische Bereiche werden farblich markiert, Abweichungen lösen Warnsignale aus.
Das System soll Materialverschwendung durch Überdeckung verhindern. Wer statt der geforderten 6 Zentimeter durchschnittlich 6,5 Zentimeter einbaut, verbraucht bei 10.000 Quadratmetern rund 13 Tonnen Asphalt zu viel. Smart Pave zeigt Abweichungen in Echtzeit und ermöglicht sofortige Korrekturen. Gleichzeitig erfasst das System Temperaturdaten für die Walzenplanung und dokumentiert die Verdichtung.
Integration mit Flottenmanagement
Smart Pave liefert die Daten an zentrale Telematik-Systeme. Bauleiter sehen auf dem Monitor im Büro, wo der Fertiger gerade fährt, welche Schichtdicke eingebaut wird und ob die Temperaturfenster eingehalten werden. Das ermöglicht vorausschauende Walzenplanung und dokumentiert die Qualität lückenlos.
Die drei Systeme lassen sich unabhängig voneinander nachrüsten oder als Paket ordern. Vögele gibt keine konkreten Preise an, nennt aber eine typische Amortisationszeit von 12 bis 18 Monaten bei intensiver Nutzung. Wer bereits GPS-Systeme im Einsatz hat, kann Grade Assist und AutoTrac oft per Software-Update aktivieren.
Positionierung im Markt für autonome Straßenbauprozesse
Mit den drei Systemen positioniert sich Vögele im wachsenden Markt für teilautonome Baumaschinen. Konkurrenzhersteller wie Caterpillar und Volvo CE bieten ebenfalls GPS-gestützte Steuerungen an, setzen aber bislang stärker auf Erdbewegung und weniger auf Asphalteinbau. Vögele nutzt die jahrelange Erfahrung der Wirtgen Group in der Straßenbauautomatisierung und baut das Portfolio konsequent aus.
Die Systeme adressieren zwei zentrale Probleme der Branche: Fachkräftemangel und steigenden Kostendruck. Wer heute einen erfahrenen Fertiger-Fahrer sucht, findet kaum noch Personal. Automatisierungssysteme senken die Einstiegshürde und machen weniger erfahrene Mitarbeiter schneller produktiv. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Einbaugenauigkeit und Dokumentation. Digitale Assistenzsysteme liefern lückenlose Nachweise und reduzieren teure Nachbesserungen.
Ausblick: Vollautonome Fertiger noch in weiter Ferne
Trotz der Fortschritte bleibt der vollautonome Asphaltfertiger vorerst Zukunftsmusik. Die Systeme von Vögele sind Fahrerassistenz, kein Autopilot. Der Bediener bleibt an Bord und trägt die Verantwortung. Grade Assist, AutoTrac und Smart Pave ergänzen sein Können, ersetzen es aber nicht. Für komplexe Baustellen mit wechselnden Randbedingungen, engen Kurven oder häufigen Unterbrechungen bleibt menschliche Erfahrung unverzichtbar.
Die Entwicklung zeigt dennoch die Richtung: Straßenbau wird digitaler, automatisierter und datengetriebener. Wer heute in GPS-Steuerung und Telematik investiert, schafft die Grundlage für künftige Automatisierungsstufen. Das Thema gewinnt auch bei anderen Baumaschinenklassen an Bedeutung, wie der Artikel Wirtgen Group auf der Bauma 2025 zeigt. Die Entwicklung zur autonomen Baumaschine schreitet voran, auch wenn der Weg noch lang ist.






