Kleemann setzt in Schweden einen komplett elektrischen Anlagenzug ein. Der schwäbische Hersteller mobiler Brech- und Siebtechnik will damit beweisen, dass die Elektrifizierung auch bei stationärem Dauerbetrieb funktioniert. Der Test läuft unter realen Bedingungen – ein wichtiger Schritt für eine Branche, die traditionell auf Dieselaggregate setzt.
Der Anlagenzug besteht aus mehreren Komponenten: eine mobile Brechanlage und eine Siebanlage, die komplett über Netzanschluss betrieben werden. Kleemann verzichtet dabei auf Dieselmotoren und setzt auf direkten Strombezug. Das reduziert die Betriebskosten erheblich, macht die Anlagen aber abhängig von der lokalen Netzinfrastruktur. In Schweden ist das kein Problem – das Land verfügt über eine gut ausgebaute Stromversorgung und setzt stark auf Elektrifizierung.
Für Betreiber von Recycling- und Abbruchanlagen ist die Rechnung klar: Diesel kostet, Strom deutlich weniger. Bei einer mobilen Brechanlage mit 200 Betriebsstunden pro Monat liegt der Verbrauch schnell bei 3.000 bis 5.000 Litern Diesel. Bei aktuellen Preisen sind das 4.500 bis 7.500 Euro monatlich – nur für den Kraftstoff. Elektrisch betrieben sinken die Energiekosten auf einen Bruchteil, je nach Strompreis und Vertrag.
Die technische Herausforderung liegt woanders: Leistungsspitzen müssen abgefangen werden, die Netzanbindung muss stimmen, und die Anlagen brauchen eine andere Steuerung als bei Dieselbetrieb. Kleemann nutzt für den Test bestehende Maschinen, die für den Netzbetrieb umgerüstet wurden. Die Erfahrungen aus Schweden sollen in die Entwicklung künftiger Serien einfließen.
Der schwedische Markt ist für Elektrifizierungsprojekte ideal: hohe Stromverfügbarkeit, strenge Umweltauflagen und eine Branche, die neue Technologien schnell annimmt. Was hier funktioniert, lässt sich aber nicht eins zu eins auf andere Märkte übertragen. In Deutschland fehlt auf vielen Baustellen der Netzanschluss, in Österreich und der Schweiz sind mobile Anlagen oft in Bergregionen im Einsatz – da wird es mit der Stromversorgung eng.
Trotzdem: Der Test zeigt, dass die Elektrifizierung mobiler Aufbereitungsanlagen technisch machbar ist. Für stationäre Recyclinghöfe, Steinbrüche mit Netzanschluss oder Großbaustellen mit eigener Strominfrastruktur ist das eine echte Alternative. Wer jetzt plant, sollte die Netzanbindung von Anfang an mitdenken – dann amortisiert sich die Investition über die Betriebskosten.
Weitere Details zum Praxistest hat Kleemann noch nicht veröffentlicht. Konkrete Zahlen zu Durchsatz, Leistungsaufnahme und Verfügbarkeit wären für eine fundierte Wirtschaftlichkeitsrechnung wichtig. Der Markt wartet auf belastbare Daten – erst dann lässt sich beurteilen, ob der vollelektrische Anlagenzug mehr ist als ein Leuchtturmprojekt.
Die Elektrifizierung der Baustelle macht Fortschritte – nicht nur bei Baggern und Radladern, sondern auch bei stationären Anlagen. Kleemann zeigt, dass die Branche das Thema ernst nimmt. Ob sich das Konzept durchsetzt, entscheidet am Ende die Wirtschaftlichkeit im täglichen Betrieb.






