Liebherr hat im Geschäftsjahr 2024 einen weiteren Umsatzrekord erzielt. Der Bau- und Technologiekonzern aus dem Allgäu wächst trotz schwieriger Marktlage. Für Bauunternehmer und Flottenmanager ist dabei weniger die Gesamtzahl entscheidend, sondern die strategische Ausrichtung: Wie investiert Liebherr in emissionsarme Antriebe, welche Emissionsklassen erfüllen die neuen Modelle, und was kommt nach Stage V?
Der Konzern bestätigt mit dem Geschäftsbericht 2024 seine Position als einer der führenden Baumaschinenhersteller weltweit. Die Geschäftsbereiche Erdbewegung, Krane und Turmdrehkrane tragen maßgeblich zum Wachstum bei. Doch die eigentliche Frage lautet: Wie rüstet sich Liebherr für verschärfte Umweltauflagen?
Die Antwort liegt in einer zweigleisigen Strategie. Erstens: Alle neuen Hydraulikbagger und Radlader ab 56 kW erfüllen seit 2020 die EU Stage V Norm. Das bedeutet: Partikelausstoß und Stickoxide sind um bis zu 90 Prozent reduziert gegenüber Stage IIIB. Liebherr setzt dabei auf SCR-Katalysatoren und Dieselpartikelfilter ohne AdBlue-Nachfüllung während der Wartungsintervalle. Das spart Zeit auf der Baustelle.
Zweitens: Der Konzern treibt die Elektrifizierung voran. Nach dem erfolgreichen Praxistest des vollelektrischen Mobilkrans LTM 1110-5.1 E steht die Serieneinführung elektrischer Mittelklasse-Bagger bevor. Liebherr testet derzeit mehrere Prototypen im 20- bis 30-Tonnen-Bereich. Die Zielgruppe: Kommunale Betriebe und Bauunternehmen mit innerstädtischen Projekten, wo Emissionsverbote greifen.
Für größere Maschinen setzt Liebherr auf Hybridantriebe. Die großen Mining-Bagger der R 9000er-Serie arbeiten bereits mit dieselelektrischem Antrieb. Das Prinzip: Dieselmotor treibt Generator an, elektrische Motoren bewegen Pumpen und Fahrwerk. Vorteil: 15 bis 20 Prozent weniger Kraftstoffverbrauch bei gleichzeitig höherer Leistung. Diese Technologie soll schrittweise in kleinere Gewichtsklassen wandern.
Parallel investiert Liebherr in digitale Maschinensteuerung. Alle neuen Stage-V-Modelle sind ab Werk mit Telematik ausgestattet. Betriebsstunden, Kraftstoffverbrauch und Wartungsintervalle lassen sich in Echtzeit auslesen. Für Flottenmanager bedeutet das: Transparenz über tatsächliche Betriebskosten und planbare Standzeiten.
Auch bei Mobilkranen und Turmdrehkranen läuft die Umstellung auf Stage V. Die neuen LTM-Modelle mit bis zu 500 Tonnen Tragkraft erfüllen die Norm bereits serienmäßig. Bei Turmdrehkranen setzt Liebherr zunehmend auf elektrische Winden mit Energierückgewinnung beim Absenken von Lasten. Das reduziert den Strombedarf auf der Baustelle um bis zu 30 Prozent.
Für den deutschen Markt besonders relevant: Liebherr plant die Einführung von Stage-V-konformen Raupenbaggern im Bereich 15 bis 45 Tonnen noch in diesem Jahr. Wer jetzt investiert, erhält Maschinen, die auch künftige Emissionsstandards erfüllen. Die Mehrkosten gegenüber Stage IIIB liegen bei etwa 8 bis 12 Prozent, amortisieren sich aber durch geringeren Kraftstoffverbrauch und höhere Wiederverkaufswerte.





